Betroffene einer Fehlgeburt oder eines Schwangerschaftsabbruch

Fehlgeburt

Ungewissheit, Schock, Trauer, Wut, Verzweiflung, Angst, Unsicherheit, Traurigkeit und vieles mehr. Egal, was du gerade spürst, ob du gerade erfahren hast, dass dein Kind gestorben ist oder ob deine Fehlgeburt schon länger her ist, hier sind Informationen für dich, die dir helfen sollen, dich zu ordnen, informiert Entscheidungen zu treffen und deinen Weg zu finden. Denn eins ist gewiss, den EINEN RICHTIGEN Weg gibt es nicht.

Wir sprechen bewusst von einer Fehlgeburt, da sich dieser Begriff auch in der Fachwelt etabliert hat und viele Menschen wissen, was damit gemeint ist. Wir sehen hier das “Fehlen” des oft ersehnten Kindes als namensgebend.

Was wir euch mitgeben möchten

In unserer Gesellschaft wird Frauen* häufig ein sehr fehlerhaftes Bild ihres Körpers vermittelt. Diese Ansicht finden wir auch bei frühen Fehlgeburten wieder. Viele Frauen* haben nach der Todesfeststellung das Gefühl, dass ihr Körper einen Fehler gemacht hat.

Wir möchten den Blickwinkel ändern und erzählen dir hier von der “Physiologie der frühen Fehlgeburt”. Anders gesagt: von dem Können der Frauen*körper mit einer frühen Fehlgeburt umzugehen. Unsere Körper wissen, was zu tun ist, wenn wir ihnen die Zeit geben.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir die moderne Medizin nicht in Anspruch nehmen können. Es gibt auch medizinische Möglichkeiten, das körperliche Geschehen zu beschleunigen, wenn die Betroffene das möchte. Dies ist alleine deine Entscheidung, wenn du nicht in körperlicher Not bist (überstarke Blutung, Kreislauf-Instabilität, hohes Fieber, Infektion im Körper etc.). Die beschleunigenden Methoden sind aus wissenschaftlicher Sicht in Hinblick auf Effektivität und Risiken als gleichwertig zu betrachten und der Wunsch der Frau* gilt als ausschlaggebend für die gewählte Methode (ACOG, NICE, AWMF).

Auch wenn Druck von außen kommen sollte, es ist ein Eingriff an DEINEM Körper. Deswegen kann niemand diese Entscheidung für dich treffen und sollte es auch nicht tun. Wir möchten dich so gut informiert wissen, dass du selbst entscheiden kannst. Entscheidungsfreiheit bedeutet, den eigenen Weg auch ändern zu können - auch zu einem späteren Zeitpunkt. In den allermeisten Fällen befindest du dich bei einer frühen Fehlgeburt NICHT in einer körperlichen Notsituation in der sofortiges Handeln notwendig ist. Auch wenn es sich vielleicht seelisch anders anfühlt.

  • Die wichtigste Antwort zuerst: Du hast keine Eile!

    Treten keine Blutungen auf, erfahren wir von einer frühen Fehlgeburt häufig frühzeitig durch einen Ultraschall, noch bevor unser Körper bemerkt hat, dass etwas nicht stimmt. Die Schwangerschaftszeichen wie Brustspannen, Übelkeit etc. verschwinden erst, nachdem die Schwangerschaftshormone abgefallen sind, was mindestens 2 Wochen und manchmal deutlich länger dauern kann. Kontraktionen (Krämpfe bis Wehen) der Gebärmutter und Blutungen können beginnen.

    Unsere Frauen*körper sind darauf ausgelegt, auch mit diesem Lebensereignis umzugehen. In den ersten 12.-15. Schwangerschaftswochen gleicht die Geburt deines Kindes noch eher einer Menstruation als einer Geburt eines reifen Kindes (auf die Komplexität bezogen). Trotzdem erleben manche Frauen* ihre Fehlgeburt als schmerzhaft. Einfache und rezeptfreie Schmerzmittel können dir die Geburt etwas erleichtern. Gut informiert und bei der Geburt begleitet zu werden, hilft vielen Frauen*.

    Probleme bei einer Fehlgeburt im ersten Schwangerschaftsdrittel (bis zur 12.-15. Schwangerschaftswoche) treten sehr selten auf.

    Wenn du eine sehr starke Blutung bemerkst, extreme Schmerzen erlebst oder dein Kreislauf instabil wird, lass dir in der nächstgelegenen Klinik helfen.

    Hier haben wir ein paar Zahlen für dich:

    Infektionen: Infektionen können bei allen Behandlungsmöglichkeiten auftreten. Das Risiko für eine Infektion ist beim chirurgischen Management etwas höher als beim medikamentösen. Die Rate ist insgesamt jedoch sehr niedrig und liegt bei 1-2 % aller Frauen* mit Fehlgeburten. (ACOG)

    Blutungen: Starke Blutungen, die eine Aufnahme ins Krankenhaus notwendig machen (mit oder ohne Bluttransfusion), treten in 0,5-1 % der Fälle auf. (ACOG)

    Man geht davon aus, dass circa jede 3. Frau im Laufe ihres Lebens eine Fehlgeburt erlebt. Manche Frauen* trifft das Erlebnis auch mehrere Male im Leben. Du bist nicht alleine in dieser Situation!

  • Wir Hebammen des Vereines sind der Meinung, dass Fehlgeburten im ersten Schwangerschaftsdrittel zur Physiologie des Frau*seins dazugehören. Frauen*körper sind fast immer in der Lage, diese Situation ohne große Komplikationen alleine zu bewältigen. Aus diesem Grund und wegen der Häufigkeit dieses Phänomens möchten wir eine Fehlgeburt im ersten Schwangerschaftsdrittel nicht als etwas Falsches oder Fehlerhaftes (Pathologie) bezeichnen. Kommt es beim komplexen Vorgang der Entstehung eines Menschen zu Problemen, erkennt der Körper der Frau* dies.

    Die Fehlgeburt ist somit eine gesunde Reaktion des Körpers auf eine Situation, in der die normale Entwicklung einer Schwangerschaft aus unterschiedlichsten Gründen nicht möglich ist. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir dieses physiologische Geschehen einfach so über uns ergehen lassen sollen. Wir wollen Frauen* darin bestärken, dass ihr Körper auch in so einer enttäuschenden Situation weiß, was zu tun ist, um wieder ein Gleichgewicht herzustellen. Trauer und andere Gefühle zuzulassen, ist ebenso wichtig, wie eine mögliche Ursache abzuklären, vor allem wenn wiederholte Fehlgeburten auftreten. (In Österreich ist eine umfassende Abklärung der Fruchtbarkeit beider Partner*innen nach 3 Fehlgeburten üblich). 

    Die Feststellung einer frühen Fehlgeburt ist nicht selten ein Schock für Betroffene. Entscheidungen in einer Krisensituation zu treffen, ist niemals leicht. Nimm dir deshalb die Zeit, die du brauchst, seien es Stunden oder Tage. Rasches Handeln ist nur in den seltensten Fällen medizinisch notwendig. Wir haben als Gesellschaft wenig Platz und Toleranz für Tod und Trauer, denn der Drang, den „Normalzustand“ so schnell wie möglich wiederherzustellen, ist häufig groß. Spüre in dich hinein, ob dies der richtige Weg für dich ist, oder ob du mehr Zeit brauchst, um dich zu verabschieden und eine klare Entscheidung treffen zu können. Im Folgenden findest du Informationen über die Möglichkeiten, die du hast. Es gibt hierbei kein Richtig oder Falsch, solange du dich mit deinem Weg identifizieren kannst. Scheue auch nicht davor zurück, deinen Weg zu ändern, wenn sich neue Gefühle oder Zustände ergeben. Keine:r hat das Recht, über deine Entscheidungen zu urteilen.

  • Hier erfährst du:

    1. Warum sich Frauen* für die Physiologie entscheiden

    2. Wie diese aussehen kann

    3. Was dich erwarten kann

    Warum sich Frauen dazu entscheiden, erstmal keinen medizinischen Eingriff durchführen zu lassen, ist sehr unterschiedlich. Manche Frauen fürchten sich vor medizinischen Eingriffen, manche fühlen sich in ihren eigenen Wänden bei der Geburt am wohlsten. Wieder andere möchten ihrem Körper die Zeit geben, die er braucht, um selbst die Schwangerschaft zu beenden; andere brauchen Zeit, sich zu verabschieden oder eine Entscheidung zu treffen.

    Du hast eine Blutung oder weißt, dass dein Kind/der Embryo nicht mehr lebt? Du hast keine Eile.
    Es bleibt heftig, auch wenn wir beschleunigen und eingreifen. Bei stabilem Kreislauf, moderaten Schmerzen und normal starker Blutung besteht kein Grund für medizinische Interventionen. Bei Unsicherheiten bezüglich Schmerzen oder Blutungsstärke wende dich an eine Hebamme oder eine Ärztin, einen Arzt, welche:r sich mit der Physiologie einer frühen Fehlgeburt auskennt und dich umsichtig begleitet. Die Geburt/ die Blutung, kann zu Hause stattfinden. Umgib dich mit Menschen, die dich unterstützen und verabschiede dich auf deine Weise von der Schwangerschaft. Manchmal braucht es bis zu zwei Monatszyklen, bis die Fehlgeburt ganz abgeschlossen ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass in diesem Zeitraum ununterbrochen Blutungen oder Schmerzen auftreten! Noch vorhandenes Gewebe wird mit der Menstruation abgebaut und die hormonelle Situation pendelt sich wieder ein. 

    In manchen Fällen dauert es länger als 1- 2 Wochen nach dem Tod des Embryos/Tod des Kindes, bis die Blutung beginnt. Dann ist eine medizinische Begleitung zur Kontrolle nur bei Auffälligkeiten notwendig, kann aber beruhigend wirken und sinnvoll sein. Sprich darüber mit einer Hebamme und einem Facharzt/ einer Fachärztin. Ein klarer Vorteil unsere Frauen*körper physiologisch arbeiten zu lassen, ist die Möglichkeit, sich jederzeit doch noch für einen anderen Weg entscheiden zu können.

  • Der Ablauf einer Fehlgeburt kann durch die Einnahme von Medikamenten beschleunigt werden. Durch Mifepriston (Mifegyne) oft in Kombination mit Misoprostol (Cytotec) wird die Geburt/die Blutung eingeleitet. Dieser Prozess kann einige Stunden oder manchmal auch Tage dauern. Einige Studien empfehlen die vaginale Einnahme von Misoprostol, sprich dazu mit deiner behandelnden Ärztin.

    Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und/oder Durchfall können auftreten, vor allem wenn Misoprostol nicht vaginal eingenommen wird. Hole dir unbedingt passende Schmerzmittel und Mittel gegen die Nebenwirkungen bei deiner Ärztin/deinem Arzt.

    Da es immer wieder auch zu verstärkten Blutungen kommen kann, empfehlen wir, diesen Weg in Begleitung mit einer Hebamme oder einem Facharzt/einer Fachärztin zu gehen - am besten im klinischen Setting.

    Je nach Situation und Wunsch der Frau ist der Einsatz von alternativ- und komplementärmedizinischen Methoden möglich. Diese können den Körper geburtsbereit machen, sodass er selbst dazu in der Lage ist, Wehen zu produzieren. 

  • Mit der Kürettage greifst du ebenfalls aktiv in das Geschehen ein und die frühe Fehlgeburt wird beendet. Der abgestorbene Embryo/das tote Kind wird aus der Gebärmutter entfernt. Dies passiert unter Vollnarkose (manchmal auch in Lokalanästhesie). Es kann zu Verletzungen an der Gebärmutter oder zu Infektionen kommen, wobei das Risiko dafür jedoch sehr gering ist. Die Diagnose Fehlgeburt alleine ist keine Indikation für eine Kürettage. Treten jedoch starke Blutungen, Kreislaufinstabilität oder Zeichen einer Infektion auf, ist der operative Eingriff dringend empfohlen. Dasselbe gilt, wenn du dich für diesen Weg entscheidest. 

    Mit dieser Methode kann der körperliche Prozess schnell abgeschlossen werden. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dieses Lebensereignis oft noch länger nachwirkt, vor allem dann, wenn wir versuchen, davor zu flüchten oder es nicht spüren wollen. Such dir unbedingt die Begleitung, die du gerade benötigst.

Schwangerschaftsabbruch

Wir sehen einen sicheren Schwangerschaftsabbruch als Grundrecht an, wir vergeben keine Medikamente und führen auch keine Kürettagen durch, jedoch unterstützen wir dich auch in dieser Lebenssituation – vorurteilsfrei und auf deine Bedürfnisse abgestimmt.

Auf den folgenden Seiten, bekommst du alle wichtigen Informationen, die für dich als Betroffene wichtig sind. Wenn du finanzielle Unterstützung für einen Schwangerschaftsabbruch benötigst, findest du bei “Changes for Woman” Unterstützung.

Gleichzeitig findet man hier auch als Fachperson wichtige Fragen beantwortet.

Nimm dich in Acht vor vielen anderen Seiten zum Thema “Schwangerschaftsabbruch” im Internet. Es gibt Seiten, deren Inhalt Frauen ein schlechtes Gewissen machen, oder sie sogar von Ihrem Weg abbringen möchte. Wende dich an Fachpersonen, um korrekte Informationen zu bekommen. Melde dich gerne bei uns.